In meinen zwei Jahren hab ich ja schon so einiges erlebt – aber drei Tage und zwei Nächte bei Tante Wenja (ja, so heißt sie für mich!), das war für mich brandneu.

Schon als ich ankam, schaute sie mich unten im Flur mit großen Augen an. Ich schaute zurück und musste erstmal nachdenken: kenn ich die? So recht konnte ich mich nicht erinnern, hatte ich Tante Wenja doch Ostern zum letzten Mal gesehen. Daher schnell auf den sicheren Arm zu Papa, die Tante is mir noch nicht recht geheuer.

Oben im vierten Stock (so viele Treppen…) hab ich mir erstmal meine Unterkunft für die nächsten Tage angeschaut. Gar nicht so schlecht, vor allem, nachdem Mama mein Reisebett aufgebaut und all meine Spielsachen und Bücher ausgepackt hatte.

Auch Tante Wenja erschien mir langsam nicht mehr so gruselig. Ständig grinste sie mich an und schien sich offensichtlich unheimlich zu freuen, mich zu sehen. Nun gut, dachte ich mir, dann will ich mal nicht so sein, schließlich soll Tante Wenja eine schöne Zeit mit mir haben: Als Mama und Papa weg waren, habe ich deshalb gar nicht geweint.

Zuerst haben wir mit meiner Eisenbahn gespielt (Eisenbahn, ja, die ist großartig, das habe ich Tante Wenja mehrmals mitgeteilt!), dann sind wir auf den Spielplatz gegangen. Zwar fing es gerade an zu regnen, aber ich durfte meine Gummistiefel und meine Regensachen anziehen. Rutschen, Schaukeln, das war schön. Aber am meisten musste ich grinsen, als Tante Wenja am Ende dreckiger war als ich. Hätte sie sich mal auch Regensachen angezogen. Aber auf mich hört ja keiner.

Obwohl, doch: Im Supermarkt durfte ich sagen, was ich mir zum Abendessen wünsche: Nudeln und Würstchen. Genau das gabs dann auch – und ich hab brav beim Kochen geholfen. Dass die Arbeit auch immer an mir hängen bleibt, tsss…

Danach hat mir Tante Wenja mein Nachtzeug angezogen – ich muss sagen, bei Mama geht das schneller, aber ich habe mich natürlich nicht beschwert – dann durfte ich noch spielen. Irgendwann wollte mir die Tante einreden, ich sei schon total müde. War ich aber nicht! Schließlich konnte ich im Flur super Fußball spielen, auch die beiden Mitbewohner Ernie und Ines waren deutlich spannender als mein Bettchen. Früher oder später hat sich Tante Wenja aber mit mir auf ihr großes Bett gekuschelt und sie hat mir vorgelesen. Da dachte ich mir dann: gut, ich tu ihr den Gefallen, geh ich halt schlafen…